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Neues
zur Gäubahn
Neues zur Gäubahn

Was ist passiert seit dem Brandbrief der Bürgermeister?
Die Ereignisse September 2019 bis heute

Von Martin Dietze, Webmaster

(14.07.2020) Neu: Präsentation von Winfried Hermann am 29.06.2020 zum Stand der Gäubahn!

1. Die wichtigsten Eckpunkte in der Präsentation:

2. Präsentiert wurde auch der Gemeinderats-Beschluss vom 23. Januar 2018, als weiterhin bestehende Grundlage:

1. Es ist im Interesse der Landeshauptstadt Stuttgart, dass auf den Fildern eine neue Drehscheibe für den Bahnverkehr entstehen soll -für die Stadtbahn, die S-Bahn, den Regionalverkehr und den Fernverkehr, und in unmittelbarer Nähe zum Manfred-Rommel-Flughafen sowie zur Landesmesse Stuttgart. Deshalb muss es bei der Anbindung der Gäubahn an diese Drehscheibe auf den Fildern bleiben, so wie es der Gemeinderat am 7. Mai 2015 beschlossen hat. Auch ein Zughaltepunkt oder Bahnhof jenseits der Autobahn, und damit in großer Entfernung zu den anderen Verkehrsträgern, würde diese Verkehrsdrehscheibenfunktion zerstören. Die jüngst gemeldete Anbindung von nur drei Fernverkehrsverbindungen Richtung Ulm/München am Tag ist völlig inakzeptabel.

2. Überlegungen, die Gäubahn nicht über die neue Drehscheibe auf den Fildern und den anschließenden Fildertunnel an den Hauptbahnhof anzuschließen, sondern über die städtische Panoramastrecke und weitere neue Tunnel für die Gäubahnin der Stuttgarter Innenstadt, sind nicht im Interesse der Landeshauptstadt.

3. Darüber hinaus sind Überlegungen, den Schienenverkehr über die Panoramastrecke weiterhin auch im Sinne von Tangentialverkehren führen zu können, sinnvoll. Daher ist letztere langfristig nach Fertigstellung von Stuttgart 21 zu erhalten (wobei die Kosten dafür von den Nutzern zu übernehmen sind). Ebenso befürworten wir eine neue Haltestelle am Nordbahnhof, da hier eine attraktive Umsteigesituation zum S-Bahn-Netz entstehen kann. Weiterhin soll die weitere Nutzung der Nordost-Tunnelröhren nach Feuerbach geprüft werden, um eine neue Zugverbindung von Böblingen über Vaihingen, Nordbahnhof, Feuerbach, Zuffenhausen und Ludwigsburg zu ermöglichen.

4. Der von der Stadtverwaltung in GRDrs617/2017 Neufassung angekündigte Vorschlag zur Gäubahn soll die Punkte 2 und 3 berücksichtigen.

Der Ausschuss für Umwelt und Technik beschließt mit großer Mehrheit bei 15 Ja-Stimmen, 2 Nein-Stimmen und 1 Enthaltung wie beantragt.

3. Hier die Präsentationsunterlagen zum Download:

TOP1_VM_Präsentation Begrüßung und Themeneinführung.pdf

TOP2_DB PSU_Baubedingte Unterbrechung der Gäubahn.pdf

TOP3_LHS_Sachstand Rosenstein.pdf

TOP4_SSB_Planungen Nordhalt.pdf

TOP4_VM_Vorstellung Regionalbahnhalt S-Vaihingen.pdf

TOP4_VRS_S-Bahn Verlängerungen.pdf

TOP5_DB Netz_Fahrplan ab Unterbrechung der Gäubahn.pdf

TOP5_VWI_Verkehrliche Wirkungen der Gäubahnunterbrechung.pdf

TOP6_VM_Mögliche zukünftige Entwicklung der Panoramabahn.pdf

Diese Dokumente sind (noch) nicht im Internet zu finden, deshalb hier eingepflegt.


 

(06.07.2020) Die folgenden Artikel entstanden im Juni 2030. Die Inhalte werden permanent von den aktuellen Entwicklungen - genauer Neu- und Umplanungen - eingeholt und sind in die wechselvolle Historie von S21 einzuordnen.

Mir wurde vorgeworfen, meine Artikel böten keine konstruktive Beteiligung, sondern würde meine Verletzungen aus der Vergangenheit breittreten. Nun - ich möchte keinesfalls den Projektpartnern absprechen, mit aller Kraft S21 in die Gänge zu bekommen und zukunftsfest zu machen. Ein Zurück ist nicht mehr möglich, die Sachlage ist höchst komplex, es gibt keine einfachen schnellen Lösungen. Solange der unselige Konflikt zwischen bahntechnischen Sachzwängen und städtebaulichen Interessen besteht, wird es a) keinen Konsens unter den Projektpartnern geben, und b) keine Kombination aus Tief- und Kopfbahnhof. Als fester Bestandteil der Planung würde dieser potente Bahnhofsknoten im Stuttgarter Zentrum den Weiterbau von S21 drastisch vereinfachen und Gegner und Befürworter versöhnen.

Anstelle eigener weiterer Ausführungen ein hervorragender Kommentar von Gerhard Edelmann! Die Quelle "S-Bahn-Chaos.de" berichtet trotz ihres tendenziösen Namens sehr kompetent und sachlich.

Bis zur Inbetriebnahme des Tiefbahnhofs (und das kann noch sehr lange dauern) besteht die Möglichkeit, den Kopfbahnhof als „Ergänzungs“-Bahnhof sogar in seiner heutigen Gänze einzuplanen. Das ist immerhin eine recht komfortable Situation, auch wenn der verschandelte Kopfbahnhof den heutigen ästetischen und funktionalen Anforderungen nicht ganz gerecht wird.
Im Fall, dass der Tiefbahnhof nie in Betrieb geht, bleibt Stuttgart bahntechnisch auf dem heutigen Stand, was jedoch absolut nicht komfortabel und vorallem nicht zukunftsfähig ist.
Der Tiefbahnhof muss also geradezu als Ergänzung des heutigen Kopfbahnhofs in Betrieb gehen und kann dann einen Teil (aber wirklich nur einen Teil) der Züge übernehmen. So könnte man Stuttgart Deutschland-Takt fähig machen und die beiden Bahnhöfe könnten zusammen eine signifikante Erhöhung der Fahrgastzahlen bewerkstelligen.
Das heißt, wenn man realistisch ist und den Bahnverkehr wirklich als zukunftsfähiges Verkehrsmittel sieht, muss man sich mit dem Tiefbahnhof arrangieren und sogar hoffen, dass er möglichst bald in Betrieb gehen kann und halbwegs funktioniert (ohne größere Unglücke wie Brand im Tunnel, Wegrollen von Zügen usw.) Da eine Inbetriebnahme des Tiefbahnhofsjedoch aber durchaus bis 2030 dauern kann, (man denke an den BER; Fertigstellung ist nicht Inbetriebnahme!) wird Stuttgart längere Zeit ein neuraligischer Bahnknoten bleiben.

Lesen Sie meine Artikel bitte unter dieser Prämisse. Und als Schlusswort zitiere ich die Kontext-Wochenzeitung: Stuttgart 21 sorgt dafür, dass man Verbesserungen bekommt, die man ohne Stuttgart 21 gar nicht erst gebraucht hätte.

Martin Dietze, 6. Juli 2020


(01.07.2020) Fortsetzung und Aktualisierung meines Artikels Gäubahn und S21.  Dort finden Sie auch eine Zusammenfassung der Stuttgart 21-Planung.

Warnung! Weiterlesen nur unter Beachtung der S21-Planungsrichtlinie Artikel 1:

Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht.
(Joachim Ringelnatz)

01.07.2020: NEUNEU!!

 

20.06.2020: NEU!!

 


Den folgenden längeren Artikel hatte ich Mitte Juni verfasst, im Kinderglauben, die Gäubahn-Misere verständlich darstellen zu können. Welch ein Irrtum. Die tägliche Flut von Dementi, Verschlimmbesserungen, Stornierungen, Um- und Neuplanungen schwemmt jeden vermeintlich aktuellen Sachstand postwendend in die Gosse. Das "bestgeplante Großprojekt Stuttgart 21" ist zu einem wirren Konglomerat aus widersprüchlichen Korrekturen und Ergänzungen mutiert. Im Kern geht es darum, den verzwergten Tiefbahnhof an einen wachsenden und zukünftig hoffentlich zuverlässigen ÖPNV anzupassen - eine Jahrhundert-Aufgabe angesichts der Zerstrittenheit der S21-Projektpartner.

Lesen Sie trotzdem weiter. Gute Unterhaltung!

(15. 06. 2020) Warum dieser Artikel? Ich merke immer wieder, dass die meisten Leute schlecht bis garnicht informiert sind. Meine Motivation, mich über dieses Thema auszulassen, liegt im jahrzehntelangen Berufspendler-Dasein meiner Frau und mir, von Herrenberg nach Fellbach und Sindelfingen. Natürlich durchgehend mit Jahreskarten eines im bundesweiten Vergleich hochpreisigen Stuttgarter ÖPNV. Jedes Jahr Im Voraus mehr als tausend Euro bezahlt, im Nachhinein mit zunehmenden Verspätungen und Zugausfällen bedacht - seit Baubeginn von Stuttgart 21 im Jahr 2010.

Wir sind angewiesen auf die Berichte in den öffentlichen Nachrichtenmedien. Da bekomme ich Unklares und Widersprüchliches vorgesetzt. Warum wohl? Die offiziellen Projektpartner lassen veraltete Sachstände kommentarlos stehen. Überlassen die ergänzende und korrigierende Berichterstattung dem Flickenteppich aus ProBahn, BUND, VCD, K21, sowie den unzähligen Kommentaren in Facebook, Twitter usw. Wo finde ich verständliche Erklärungen und Aktualisierungen von den Profis, die zugegeben ein äußerst schwieriges Projekt stemmen? Die Planung wurde bisher von den S21-Partnern in der Regel schöngeredet. Die diversen Pannen, Fehlplanungen und unerfüllten Versprechen werden schamhaft verschwiegen.

Als Folge der 1994 begonnenen Privatisierung der Bahn (sog. "Bahnreform") mit ihrem massiven Abbau von Bahninfrastruktur und Personal hat der Bahnkunde den Glauben an die Kundenfreundlichkeit und Zuverlässigkeit der Bahn verloren. Die Intransparenz der Stuttgart 21- Planung tut ein Übriges dazu. Man resigniert und hört garnicht mehr hin, wenn die Projektpartner wieder einen ihrer seltenen "Fortschritte" veröffentlichen.

Ich versuche schlicht, die komplizierte und widersprüchliche Materie auf verständliche Eckpunkte runterzubrechen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und 100-prozentige Richtigkeit. Dass mein Artikel kritisch ausfällt, möge man mir nicht übelnehmen.

Martin Dietze

 

Über den Abbau oder Erhalt der Gäubahn als Bestandteil der Stuttgart-21-Planung hört und liest man Widersprüchliches. Die Medien berichten unklar und lückenhaft. Das ist nicht ihre Schuld. Von einer Planung kann nicht mehr gesprochen werden, es ist eher ein Getriebenwerden. Die Stuttgarter Grünen, bisher zähneknirschend die Planung mittragend, sind zunehmend gespalten, die Grünen in den Anliegergemeinden der Gäubahn proben den Aufstand.

 

Nochmal kurz der Sachstand:

Die "Gäubahn" ist der durch das "Gäu" führende Teil der einzigen und damit unverzichtbaren Fernverkehr-Schienenverbindung von Süden nach Stuttgart. "Panoramabahn" nennt sich der Abschnitt der Gäubahn zwischen Stuttgart-Vaihingen und Stuttgart-Hauptbahnhof. Der letzte Kilometer der Panoramabahn ist Bestandteil des oberirdischen Gleisfeldes nördlich des Stuttgarter Hauptbahnhofs.

Das oberirdische Gleisfeld inclusive der kompletten Gleisfläche der Panoramabahn hatte die Stadt Stuttgart von der Bahn abgekauft, zwecks Gewinnung von Bauland für Wohnen, Handel und Gewerbe. Nach Fertigstellung des neuen Stuttgarter Haupt- und Tiefbahnhofs, laut Planung 2025,  werden oberirdisches Gleisfeld und Panoramabahn geräumt. Der Gäubahn-Fernverkehr von Süden sollte dann ab Stuttgart-Rohr über den neuen Flughafenbahnhof und den Fildertunnel in den Tiefbahnhof fahren.

So die offizielle Planung. Sie ist inzwischen von der Realität weit überholt.

 

Aktuell verfolge ich in den Medien fünf neue voneinander abweichende Planungen:

1: Inzwischen verzögert sich der Bau der Flughafen-Führung der Gäubahn bis voraussichtlich 2030. Man will aber schon 2025 das Gleisfeld räumen. Dazu soll die Panoramabahn - wie geplant 2025 - abgebaut werden. Der Fern- und Regionalverkehr aus Süden muss vorraussichtlich 5 Jahre lang in Stuttgart-Vaihingen auf die S-Bahn umsteigen. Dazu wird der Vaihinger Bahnhof zum "Regionalhalt" erweitert.

 

2: Nach massiven Protesten der Gäubahn-Anlieger von der Schweiz bis Böblingen/Sindelfingen - unzumutbares Umsteigen auf überfüllte und unzuverlässige S-Bahnen -, bleibt die Panoramabahn bis 2030 erhalten, wird aber vom Hauptbahnhof abgetrennt und provisorisch zum Bereich des Nordbahnhofs verschwenkt, wo die Fahrgäste auf weitere Stadt- und S-Bahnen umsteigen können.

Bemerkung: Die Panoramabahn-Anbindung an den Nordbahnhof wurde schon 1998 in der S21-Planung als "Nordkreuz-Option" offengehalten, sollte je eine "übermäßige Steigerung des Fahrgastaufkommens" erfolgen. Diese Option wurde nicht groß publik gemacht, wäre sie doch das Eingeständnis einer unzureichenden Kapazität des Tiefbahnhofes.

 

3: Nach endlich erfolgter Einsicht, dass die Panoramabahn unverzichtbar ist als Ausgleichsstrecke, wenn der S-Bahn-Tunnel dicht ist (was schon häufig vorkam), wird ein dauerhaftes Weiterbestehen der Panoramabahn und ihre Direktanbindung an den Tiefbahnhof vorsichtig angedacht. Dazu muss ein weiterer Tunnel gebaut werden, der von Norden an den Tiefbahnhof andockt.

 

4: Es gibt auch Überlegungen, die Panoramabahn als zusätzliche S-Bahn-Linie umzuwidmen, mit Haltestellen entlang der Strecke.

 

5. NEU!! Zitat aus der Süddeutschen Zeitung vom 28. Mai: "Das Bundesverwaltungsgericht wird sein Urteil über einen Teil der Planungen für das Großprojekt Stuttgart 21 im Juni sprechen. Nach rund achtstündiger mündlicher Verhandlung in Leipzig legte der 3. Senat am Donnerstag einen Verkündungstermin für den 18. Juni fest. Es geht um den Neubau des Tiefbahnhofs am Landesflughafen und die Südumgehung Plieningen. Der Naturschutzbund (Nabu) Stuttgart und die Schutzgemeinschaft Filder hatten gegen den Planfeststellungsbeschluss geklagt. Vor dem Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Mannheim hatten sie wegen eines formellen Fehlers Recht bekommen. Über die Revisionen gegen dieses Urteil müssen nun die Bundesrichter entscheiden."

Damit könnte die Gäubahn-Führung über den Flughafen gekippt werden! Also doch die Panoramabahn als Regional- und Fernverkehrsstrecke von Süden...

Alle fünf Planungen sind gleichzeitig im Umlauf, so mein jetziger Wissensstand. Die Projektpartner streiten sich, welche nun realisiert werden soll...

 

Die Proteste gegen den Abbau der Panoramabahn

Im September 2019 schrieben Landrat Bernhard und einige Bürgermeister des Landkreises Böblingen einen Brandbrief an das Verkehrsministerium zwecks Erhalt der Panoramabahn bis 2030. Die Antwort von Baubürgermeister Peter Pätzold (Grünes Parteimitglied!) liegt uns nicht vor, jedoch ein Artikel der Stuttgarter Zeitung. Dort wird Pätzold zitiert: "Unmittelbar nach Inbetriebnahme des neuen Hauptbahnhofs muss der zügige Rückbau des Gleisvorfeldes uneingeschränkt erfolgen“. Also inclusive der Panoramabahn.

Im Dezember 2019 schrieb der Sindelfinger Ortsverband der Grünen einen Brief an OB Fritz Kuhn, Verkehrsminister Winfried Hermann, Baubürgermeister Peter Pätzold , und den Vorsitzenden des Verbandes Region Stuttgart Thomas Bopp. Der Brief macht sich für den dauerhaften Weiterbetrieb der Panoramabahn stark. Die Antwort kam von Peter Pätzold am 18. Februar 2020. Wir zitieren auszugsweise:
"(...) Nach den vielen Jahren der Einschränkungen (...) ist es unabdingbar, dass unmittelbar nach Inbetriebnahme des neuen Hauptbahnhofs der zügige Rückbau des gesamten Gleisvorfeldes uneingeschränkt erfolgen kann, um das Areal im Anschluss der dringend benötigten städtebaulichen Entwicklung zuführen zu können. Wenn (...) noch Gleise der Gäubahn übergangsweise oberirdisch in Betrieb bleiben würden, wären die zeitlichen und finanziellen Folgen bzgl. des Gleisrückbaus für die LHS (Landeshauptstadt Stuttgart) ein unkalkulierbares Risiko. In Zeiten von stark zunehmenden Wohnraumkosten, stetig steigendem Bedarf an Wohnraum (...) wären Verzögerungen bei der Bebauung des Rosenstein-Quartiers nicht zu rechtfertigen und im Übrigen auch nicht zu vermitteln; dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund, das die LHS bei Abschluss des Kaufverages im Jahr 2001 davon ausging, dass die Flächen ab 2015 für die städtebauliche Entwicklung zur Verfügung stehen. (...)"

Fazit: Pätzold (und die Mehrheit des Stuttgarter Gemeinderates) halten am Abbau der Panoramabahn fest.


Kurz vorher, am 7. Februar 2020 beantwortete Fritz Kuhn eine Anfrage der Fraktionen DieFRAKTION SÖS LINKE Piraten Tierschutzpartei vom 3. September 2019. Im Gegensatz zu Pätzold wurde Kuhn konkreter und ehrlicher. Wir zitieren aus seiner Antwort:
"Der Schlichterspruch zu S21 sieht jedoch vor, dass die Panoramabahn (...) erhalten bleibt. Derzeit werden (...) verschiedene Untersuchungen durchgeführt, um zu ermitteln, ob und welche verkehrliche Nutzung für die Panoramastrecke möglich ist. (...) Nach Fertigstellung der neuen Infrastruktur wird (...) ein monatelanger Probebetrieb vorausgehen, während parallel der alte Hauptbahnhof in Betrieb bleibt.(...)"

Fazit: Der OB spricht anders als sein Baubürgermeister.

Am 21. April 2020 schrieben BUND,  PRO BAHN und VCD einen offenen Brief an die Projektpartner von S21: "Gäubahn nicht unterbrechen - Alternative Planung für den Flughafenbahnhof".

Im Mai 2020 verfassten die Grünen Kreisverbände und Grünen Fraktionen der Gäubahn-Anlieger von Tuttlingen bis Böblingen einen offenen Appell an die veantwortlichen Politiker*innen der S21-Planung mit deutlichen Worten. Auszug:
"(...) Wann eine geplante Streckenführung über einen Flughafen-Bahnhof zum Tiefbahnhof S21 realisiert ist, steht in den Sternen. Jahrelange Engpässe durch einen erzwungenen Umstieg auf heute schon überfüllte S- und Stadtbahnen sind vorprogrammiert. Ein verkehrspolitisches Desaster für Reisende aus und nach dem Süden ist absehbar. Die Gäubahn darf nicht weiter eingeschränkt werden. (...)"

 

Die Rolle der Stuttgarter Grünen bei Stuttgart 21 ist mir schwer verständlich.

Man äußert sich sehr zurückhaltend zu den Missständen und Fehlplanungen. Aber wie war das noch im Juni 2009: Bei der Stuttgarter Gemeinderatswahl werden die Grünen erstmals stärkste Fraktion in einer Landeshauptstadt. Als Hauptgrund für deren Erfolg wird gesehen, dass die Partei sich von Anfang an gegen Stuttgart 21 ausgesprochen hat.

Auch der "grüne" Stuttgarter Baubürgermeister Peter Pätzold, beinharter Verfechter für den kompromisslosen Abbau ALLER oberirdischer Gleisanlagen, war früher S21-Gegner - dazu ein Auszug aus dem Protokoll zum Schlichtungsverfahren 2010 und ein Artikel im BUND-Magazin von 2012.

Dazu eine Passage aus "Der Fahrgast, April 2019" des Fahrgast-Verbandes Pro Bahn:
Bei der mit Abstand stärksten Fraktion im Stuttgarter Gemeinderat – den Grünen – ist von dem klaren Bekenntnis zu einem gut funktionierenden Bahnknoten nichts mehr vorhanden. Noch im Rahmen der Schlichtung im Jahr 2010 durch Heiner Geißler war ein leistungsfähiger Bahnverkehr für die Grünen von überragender Bedeutung für die Zukunft der Stadt. Damals hatte der heutige Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) noch ein Plädoyer für die Vereinbarkeit von Wohnen und Bahnverkehr gehalten. Er sah eine komplette Bebauung der Bahnflächen als sehr kritisch an. Heute ist der Fokus ganz klar auf den Städtebau ausgerichtet – und dieser soll ohne oberirdische Gleise ausgeführt werden.

Nach Ausführungen des Baubürgermeisters Peter Pätzold gibt es für einen Erhalt oberirdischer Gleisflächen keinen Spielraum. Man habe diese Flächen „eigentlich schon gestern“ für die weitere städtebauliche Entwicklung benötigt. Abwägend intervenierte dagegen Oberbürgermeister Fritz Kuhn: Es sei wichtig, dass man bestimmte Dinge beschlossen habe. Gleichzeitig gelte es, dort nachzubessern, „wo Engpässe und Schwierigkeiten sind“.

Wir empfehlen, den Artikel  komplett zu lesen - eine hervorragende Zusammenfassung der Themen S21 und Gäubahn!

Weitere Links zum Thema:

Artikel der Kontext-Wochenzeitung vom 1. Juli 2020: "Tunnel ohne Ende"

Artikel vom VCD-Dachverband vom 23. April 2020

Artikel vom BUND vom 31. März 2020.

Artikel der kontext-Wochenzeitung vom 26. Februar 2020: "Geisterfahrer auf der Gäubahn"

Artikel der Stutgarter Zeitung vom 1. März 2019: "Wir Schweizer fühlen uns verdeppert"


Marx ist tot. Murx lebt.
(Spruch am Bauzaun während der Proteste gegen den Abriss des Hauptbahnhof-Nordflügels)


Zuletzt etwas Positives. Im Jahr 2010 warb die Bahn mit diesem Plakat:

Und es stimmt auch, dass 7.000 Arbeitsplätze bis heute weit übertroffen wurden!



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