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Tempo 30
Tempo 30

(Aktualisiert: 8.9.2019) Auf der Website des VCD Fellbach fand ich diesen hervorragenden Artikel. Ich erlaube mir, ihn den hiesigen Gegenenheiten angepasst wiederzugeben


Die Geschwindigkeit hat für die Sicherheit essenzielle Bedeutung:
- Erfasst ein Pkw einen Menschen mit 30 km/h, so hat dieser 90% Chance zu überleben. Bei 50 km/h sind es nur noch ca. 40%
- Dort wo der Bremsweg bei 30 km/h endet, hat bei 50 km/h der Bremsvorgang wegen der Reaktionszeit noch nicht begonnen. D.h. läuft ein Kind 15 m vor dem Auto auf die Straße, kann das Fahrzeug bei 30 km/h abgebremst werden. Fährt es 50 km/h, wird das Kind mit voller Geschwindigkeit erfasst und hat kaum Überlebenschance.

Tempo 30 in der Stadt

Von der Autolobby reflexartig als "Schikane" bezeichnet, ist Tempo 30 in der Stadt in der Tat keine Verkehrsbehinderung. Eine Fahrt mit 30 km/h wird von Autofahrern oft als "langweilig" bezeichnet. Sachliche, belastbare Argumente gegen Tempo 30 sucht man dagegen vergeblich.
Tempo 30 als Regel statt Ausnahme hat viele direkte und indirekte Vorteile. Die Möglichkeit, wichtige Durchgangsstraßen weiterhin mit 50 km/h auszuschildern, bleibt davon unberührt.
Schon heute gilt Tempo 30 auf mehr als der Hälfte der Straßen vieler Großstädte - in München z.B. gilt für 80 Prozent der Straßen die "Ausnahmeregel" 30 km/h. Es wäre also folgerichtig, Ausnahme und Regel umzukehren, 30 km/h als Regelgeschwindigkeit innerorts festzulegen und in begründeten Fällen Tempo 50 zuzulassen.

Sicherheit

Bei Tempo 30 passieren nicht nur weniger, sondern auch weniger schwere Unfälle. Eine Langzeitstudie aus London zeigt: Bei Tempo 20 (Meilen pro Stunde, entspricht 32 km/h) sinkt die Opferzahl um über 40 Prozent.
Anschauliches Beispiel: rennt ein Kind 15 m vor einem Auto auf die Straße, so bleibt der 30 km/h fahrende PKW vor dem Kind zu stehen. Bei 50 km/h ist der Reaktionsweg länger als der gesamte Anhalteweg bei 30 km/h - das Auto erfasst das Kind mit fast ungebremsten 50 km/h. Lt. Statistik sterben 80 Prozent aller mit 50 km/h angefahrenen Fußgänger.

Luftqualität

Bei Stop and Go ist die Abgasmenge u.U. schlechter als bei fließendem schnellerem Verkehr. Deshalb führt eine Einschränkung der Geschwindigkeit nicht automatisch zu einer Luftverbesserung - ein häufiges Argument gegen Tempo 30. Für die Luftqualität ist gleichmäßige Geschwindigkeit wichtiger als Tempolimit. Deswegen ist die Straßengestaltung so zu planen, dass bei Tempo 30 optimal fließender Verkehr möglich ist.

Lärmschutz

Tempo 30 bedeutet im Vergleich zu 50 eine Halbierung des Lärms (etwa 3 dB, auf Pflaster bis zu 6 dB). Was aber mehr wiegt als messbare Mittelwerte, sind die Spitzenwerte bei plötzlichem Anfahren mit Vollgas - eine Plage für Gäste an Cafetischen besonders Freitag abends. Diese Spitzenwerte sind in 30-Zonen seltener als an Ampeln bei denen von 0 auf 50 beschleunigt werden darf.

Verkehrsfluss

Ein stetiger Verkehrsfluss bei 30 km/h bringt oft schneller ans Ziel, weil die Geschwindigkeitsunterschiede geringer sind. In der Realität bringen die Versuche, wenigstens einige Meter schneller zu fahren, keine zeitlichen Vorteile, dafür aber viel Unruhe, Behinderung und Gefährdung des Verkehrs.

Fazit

Eine gute Planung vorausgesetzt (v.A. Vermeidung von Schleichverkehr in umliegenden Wohnstraßen), ist Tempo 30 eine kostengünstige Methode, den Straßenraum aufzuwerten, Sicherheit und Lebensqualität zu verbessern und das Ladensterben in der Innenstadt aufzuhalten.

Natürlich gehört dazu auch die Durchsetzung der Neuregelung. Hier ist die Polizei gefordert, erzieherisch und kontrolllierend einzugreifen. Der Kostenfaktor kann dabei nicht als Ausrede für nicht durchgeführte Kontrollen herhalten - die eingenommenen Strafgelder können die nötigen Personalkosten decken. Diese sind im Vergleich zu Unfallkosten sowieso minimal.

Die neue Politik der Landesregierung erlaubt Kommunen, vermehrt Tempo 30 einzuführen. Wo früher das Regierungspräsidium Tempo 30 mit einem einzigen Argument (Druchgangsstraße) ablehnen konnte, werden heute die Beschränkungen bei gegebenen positiven Argumenten (meistens Sicherheit, aber auch Lärmschutz) viel eher genehmigt, wie z.B. auf der B31 im Bodenseekreis.



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